Das neue Buch des Lieblingsautors oder die heiß begehrten Winterboots, die alle haben wollen: Heutzutage ist alles nur noch einen Klick entfernt – und kann sogar am selben Tag noch nach Hause geliefert werden. Auch unsere Kinder haben sich daran gewöhnt, alles sofort zu bekommen. Deshalb ist eine Frage tatsächlich berechtigt: Können sie heutzutage überhaupt noch auf etwas warten?

Gerade für unsere Kinder ist es sehr wichtig, sich in Geduld zu üben. Warten zu lernen bedeutet, den Wert der Dinge zu schätzen, Selbstbeherrschung zu haben und auch die Bedürfnisse anderer zu erkennen.

Wie können wir ihnen das Warten beibringen – trotz oder gerade in unserer schnelllebigen Welt?

Wir haben ein paar Tipps für euch zusammengestellt, um euren Kindern Geduld zu vermitteln. Denn gerade wenn es auf Weihnachten zugeht, kann das Warten zur echten Geduldsprobe in eurer Familie werden.

Maria Montessori und der Wert des Wartens

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts schrieb Maria Montessori wunderbare Seiten über die Erziehung im Sinne der Gemeinschaft und den Wert des Wartens. Nach Montessoris Auffassung darf es in jedem Klassenzimmer nur einen Gegenstand von jeder Art geben. Das heißt, ein Pinsel zum Malen, eine Puppe zum Kämmen, ein Turm zum Bauen usw. Wenn ein Kind die Tätigkeit, für die es sich interessiert, nicht direkt ausüben kann – zum Beispiel, weil ein anderes Kind gerade mit dem entsprechenden Gegenstand spielt –  muss es zwangsläufig warten.

Während des Wartens trainieren die Kinder nach Montessori nicht nur ihre Geduld, sondern lernen auch anderen Menschen respektvoll zu begegnen – und das ganz ohne die Anleitung eines Erwachsenen. Nicht selten machen sie aus dem Warten sogar ein ganz eigenes Spiel!

Geduld? Ein Kinderspiel!

Ihr habt ein Einzelkind oder noch kein Geschwisterchen? Kein Problem! Der Gedanke von Maria Montessori lässt sich ganz leicht ins eigene Kinderzimmer adaptieren:

– Tauscht Spielzeuge aus. Denn nur, wenn etwas nicht dauerhaft zur Verfügung steht, kann man es überhaupt erst so richtig begehren.

– Macht langsam. Euer Kind möchte ein bestimmtes Spiel spielen? Dann hüpft nicht sofort auf, sondern sagt, dass ihr in fünf Minuten Zeit habt, gemeinsam zu spielen.

– Gebt nicht jedem Wunsch direkt nach. Wenn sich euer Kind etwas Bestimmtes wünscht, erinnert es daran, dass der Wunsch am Geburtstag oder zu Weihnachten erfüllt wird.

Auf diese Weise helft ihr eurem Kind, sich an seinen Wünschen zu messen und die schönen Dinge des Lebens zu genießen. Die sofortige Befriedigung trivialer Dinge kann eure Kinder nämlich tatsächlich träge machen, größere Ziele zu verfolgen.

Warten kann man lernen

Um das Teilen und das Warten zu erlernen, müsst ihr als Eltern Gelegenheiten schaffen, die zu Wünschen bei euren Kindern führen. Das beginnt schon bei der Organisation und Ausstattung des Kinderzimmers: Es ist nicht notwendig, alles doppelt und dreifach zu haben. Außerdem lassen sich folgende Tipps ganz einfach in euren Alltag integrieren:

  1. Auswahl statt Masse. Ihr könnt ein paar wenige kreative und interessante Spielzeuge auswählen, die eine anregende, aber nicht erdrückende oder übermäßig stimulierende Spielumgebung erschaffen. Lasst außerdem genug Platz für das eigene freie Spiel!
  2. Kommunikation ist alles. Wenn sich zwei Erwachsene aus eurer Familie unterhalten, könnt ihr euer Kind, das sprechen möchte, bitten zu warten, bis es an der Reihe ist. Erinnert eure Kleinen daran, dass eine freundliche Art des Bittens eine Einladung und keine Ablehnung ist. Schließlich wollt ihr ihm eure ungeteilte Aufmerksamkeit schenken – nur eben erst dann, wenn es an der Reihe ist. Euer Kind wird sich dieses Verhalten abschauen und in einer ähnlichen Situation selbst anwenden.
  3. Strukturen geben Sicherheit. Stellt gemeinsam mit euren Kindern einen Wochen- oder Tagesplan auf. Dieser stellt die unterschiedlichen Abläufe dar, die sich über den Tag verteilt ergeben. Damit haben die Kleinen immer ein Gefühl dafür, wie lange sie noch auf bestimmte Dinge – wie etwa das gemeinsame Mittagessen – warten müssen.
  4. Emotionen ernst nehmen. Eure Kinder sind verärgert, dass sie nicht sofort das bekommen, was sie sich gerade wünschen? Das ist ganz normal. Belächelt diese Emotionen nicht, sondern helft sie aufzufangen.

Die Adventszeit: Perfekt, um Geduld zu trainieren

Plätzchen backen, Baum aufstellen, Wunschzettel schreiben: Weihnachten bietet allerhand Gelegenheiten, um Kinder in Geduld zu üben.

Adventskalender verdeutlichen euren Kindern die Zeit bis zum Weihnachtsfest, denn die bereits geöffneten Türchen machen die verstrichenen Tage bis zum Fest tatsächlich sichtbar. Daneben gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten, die Zeit des Wartens zu verkürzen:

  1. Plant gemeinsame Aktionen für die Adventszeit! Das hilft euren Kindern, die vergehenden Tage besser einzuordnen. Zum Beispiel könnte eine solche Aktion lauten: „Familiennachmittag zum Aussuchen von Weihnachtskugeln, die an den Baum gehängt werden“. Ihr werdet staunen, wie viel Freude die Kleinen dabei haben werden!

Eine andere Aktivität könnte das gemeinsame Plätzchenbacken sein. Wie wäre es, wenn ihr daraus eine Adventssonntags-Routine macht? Dann könnt ihr euren Kindern ganz einfach erklären: „Noch 2 Mal Plätzchenbacken, dann ist Weihnachten!“ Übrigens: Es müssen nicht immer „echte“ Plätzchen sein. Auch die aus dem Ofen der Puppenküche sind für Groß und Klein eine willkommene Abwechslung.

  1. Spielt zusammen mit euren Kindern! Rollenspiele sind perfekt, um gemeinsame Familienmomente zu erleben. Wie wäre es mit der eigenen Verbrecher-Geschichte, die ihr im fantastischen Polizeirevier erlebt? Tauscht die Rollen, damit sich eure Kinder auch in die anderen Teilnehmer hineinversetzen können! Kind 1 möchte unbedingt der Gauner sein? Dann muss es bis zur nächsten Spielrunde warten…

Auch Eisenbahnen sind perfekt für das gemeinsame Spielen geeignet. Beim Zusammenbauen der Gleise wird die Geduld und die Konzentration eurer Kinder gefördert, das räumliche Denken geschult und die Sozialkompetenz herausgefordert. Mit dem Hape Eisenbahn-Baukasten-Set beginnt der Spaß bereits beim Auspacken aller Teile, die eure Kinder mit Geduld zusammenfügen müssen. Die Gleise können jedes Mal anders angeordnet werden, was die Vorstellungskraft eurer Kinder auf besondere Weise herausfordert. Ihr seht: Eisenbahnen laden zum kreativen Spiel ein – und fördern somit immer neue Wunschvorstellungen in Bezug auf das Endergebnis.

Sogar das Aufräumen kann eine gemeinsame Aktion in der Adventszeit sein. Nachdem ihr zusammen das beste Familienessen in der Hape Multifunktionalen Spielküche zubereitet habt, geht es an den Abwasch. Jetzt ist es an der Zeit, gemeinsam aufzuräumen, damit die Küche für die morgige Spielzeit bereit ist.

Weihnachtsgeschenke: In Ruhe auspacken statt aufreißen

Die wohl größte Herausforderung ist Weihnachten selbst: Kaum sehen eure Kinder die verpackten Geschenke, wollen sie diese natürlich sofort aufreißen –  am liebsten gleich alle auf einmal. Doch damit ist jetzt Schluss! Führt doch dieses Jahr mal eine neue Tradition ein. Alles, was ihr dafür braucht, ist ein Würfel. Und dann heißt es: Rundherum darf jeder einmal würfeln und der mit der höchsten Zahl darf sein erstes Geschenk aufmachen. Dann folgen die anderen in herabfolgender Augenzahl. Sind alle ersten Geschenke ausgepackt, startet die nächste Würfelrunde… und so weiter.

Besinnlichkeit statt Hektik

Wie ihr seht, ist es gar nicht so schwer, euren Kindern den Wert des Wartens zu vermitteln. Integriert einige unserer Tipps in euren Spielalltag oder nehmt euch Weihnachten zum Anlass, eure Kinder in Geduld zu üben. Wir wünschen euch viel Spaß und eine besinnliche Weihnachtszeit!